Kopenhagen: Mit kleinen Stupsern zu sauberen Strassen

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Wer littert verursacht erhebliche gesellschaftliche Kosten. Das ist auch vielen Menschen bewusst, die trotzdem ihren Müll liegen lassen. Wie man diese mit einem simplen Nudge zum Mülleimer bewegt, zeigt ein Blick nach Kopenhagen.

Die dänische Hauptstadt gilt als Schmuckstück. Viel Raum, viel Grün, viele Velos – und viele grosse Ambitionen, die Stadt noch sauberer zu machen als sie meist schon ist. Wären da nicht die Menschen und ihr Verhalten. Jeder dritte Däne, das zeigen Studien, lässt gelegentlich seinen Müll auf der Strasse und in Parks zurück. Und trotzdem behaupten etwa 90 Prozent der Dänen, dass sie sich der Littering-Problematik bewusst sind.

Dieser Unterschied zwischen dem, was Menschen wollen und wie sie sich tatsächlich verhalten, ist der wichtigste Ansatzpunkt für Nudges. Der Einsatz von Nudges wird gewöhnlich als libertärer Paternalismus bezeichnet und hat seinen Ursprung im Buch „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein von 2008. Im Gegensatz zu den meisten anderen staatlichen Eingriffen wird bei dieser Art von Lenkung weder eine Handlungsweise verordnet noch eine andere verboten. Der Mensch trifft seine Entscheidungen selbstständig und marktkonform, wenn auch angestupst in eine bestimmte Richtung, die als sozial erwünscht gilt.

Nudging-Applikationen führen in der Praxis vor allem dann zu nachhaltigen Verhaltensänderungen, wenn es zum konkreten Thema eine generelle Bereitschaft der Bevölkerung gibt, das Verhalten anzupassen – so wie etwa beim Littering in Kopenhagen.

Im Jahr 2011 führte Pelle G. Hansen dazu mit seinen Studenten von der Universität Roskilde in den Strassen von Kopenhagen ein Experiment durch. Zunächst verteilten die Studenten kostenlose Karamellen an Fussgänger. Danach wurde gezählt, wie viele der Verpackungen davon auf der Strasse, in Fahrradkörben und in Mülleimern am Strassenrand gelandet waren.

In der nächsten Runde brachten sie grüne Fussspuren am Boden an, die zu Mülleimern führten und wiederholten den Versuch. Das Resultat: 46 % weniger Verpackungen landeten auf der Strasse.

Mit grünen Fussabdrücken zu saubereren Strassen in Kopenhagen. Foto via: inudgeyou

Eine erste Lehre, die man aus diesem Ergebnis ziehen kann: Je simpler, desto besser wirkt ein Nudge. Oft sind Menschen in Eile und finden nicht gleich einen Mülleimer – und dann landet der Müll am Boden. Werden Mülleimer durch die grünen Fussspuren sichtbarer gemacht, fällt es Menschen leichter, das zu tun, was sie eigentlich wollen: Ihren Müll loswerden UND die Strassen sauber halten.

Doch das ist nicht die ganze Geschichte hinter dem erfolgreichen Nudge zu weniger Littering in Kopenhagen. Die grünen Fusspuren waren nur ein Teil eines grösseren Experiments: Auf dem Hauptbahnhof von Kopenhagen brachten Hansen und seine Studenten Wegweiser (im konkreten Fall: grüne Pfeile) am Boden an, welche die Passanten animieren sollten, die Treppe anstatt der Rolltreppe zu benutzen. Allein: Die Pfeile allein regten niemanden dazu an, die Treppe zu wählen (und so nebenbei seiner Gesundheit mit etwas Bewegung Gutes zu tun.)

Warum funktionierte also ein Nudge sehr gut – und einer nicht? Der Grund sind soziale Normen. Beim Littering herrscht eine hohe soziale Norm, nicht zu littern. Daher hat ein kluger Nudge schon grosse Effekte. Es gibt aber keine soziale Norm für Treppensteigen – und daher blieb die Applikation hier wirkungslos.

Wie die Ergebnisse der Littering-Studie zeigen, ist auch in der Schweiz das Bewusstsein, dass Littering anderen bzw. der Gesellschaft schadet, sehr hoch ausgeprägt. Es ist also davon auszugehen, dass einfache und klug implementierte Nudges einen ähnlich deutlichen Effekt haben wie in Kopenhagen.

In der dänischen Hauptstadt blieb es übrigens nicht beim oben nacherzählten Experiment. Der Nudge wurde im Jahr 2012 grossflächig implementiert.

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