NZZ über die Studie „Littering in der Schweiz“: „Zweifel an Bussen für Abfallsünder“

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In verschiedenen Kantonen in der Schweiz kostet es bereits, wenn man beim Fallenlassen von Abfall ertappt wird. Und schweizweit steht derzeit die Einführung von Bussen für Littering zur Debatte. Dass dies aus verhaltensökonomischer Sicht nicht sinnvoll ist, zeigt nicht zuletzt die auf dieser Website präsentierte Studie. Diese hat Natalie Gratwohl in der NZZ zum Anlass für einen umfassenden Artikel pro und contra Bussen genommen.

Hier einige Auszüge aus dem Text:

Darüber, wie sinnvoll das Verhängen von Bussen ist, wird kontrovers diskutiert. Da sich die Wirksamkeit nicht messen lässt, lohnt sich ein Blick in die Verhaltensökonomie. Laut Luca Geisseler, Mit-Autor der Studie «Littering in der Schweiz» der auf Verhaltensökonomie spezialisierten Beratungsfirma FehrAdvice & Partners, sind Bussen kein wirksames Mittel gegen Littering, zumindest wenn sie in der Schweiz flächendeckend eingeführt werden. Denn Bussen wirkten nur, wenn das Verhalten beobachtbar sei und die Strafen perfekt durchsetzbar seien. Doch dafür wäre eine massive Überwachung notwendig, verbunden mit hohen Polizeikosten und einer Beschränkung der freiheitlichen Gesellschaftsordnung.

Und weiter:

In der Schweiz, wo eine starke soziale Norm existiert, sind laut Geisseler vor allem positive Anreize und sogenannte «Nudges» (Schubser) wie etwa auffällige Abfalleimer wirkungsvoll, die im Moment des Wegwerfens greifen.

Aus Sicht von Roberto Weber, Professor für Verhaltensökonomie an der Universität Zürich, hängt die Wahl der Massnahme im Einzelfall vor allem von der sozialen Norm ab. Denn in welchem Ausmass «Littern» gesellschaftlich verpönt ist, hat bei den meisten Personen einen sehr grossen Einfluss darauf, wie hoch die Bereitschaft ist, den Abfall richtig zu entsorgen. Bei einer stark ausgeprägten Norm sind laut Weber deshalb grundsätzlich präventive Massnahmen geeigneter, weil diese die soziale Norm weiter stärken. Bussen könnten in solchen Fällen sogar dazu führen, dass die soziale Norm korrumpiert werde. Dies sei dann der Fall, wenn die Bussgelder eher tief angesetzt sind und die (potenziell) Gebüssten das Bussgeld als Abgeltung für die anfallenden Reinigungskosten sehen.

Negative Anreize eigneten sich dagegen eher, wenn die soziale Norm, nicht zu «littern», eher schwach ausgeprägt sei. Die Busse müsse aber unabhängig davon genügend hoch sein. In den Kantonen, wo gebüsst wird, sind die Bussgelder von bis zu gut 200 Fr. relativ hoch. Da das Littering-Verhalten aber beobachtbar und die Bussen durchsetzbar sein müssen, wäre laut Studie ein unverhältnismässig hoher Aufwand notwendig. Aus diesem Grund haben sich verschiedene Kantone gegen Bussen entschieden.

NZZ, 11. Juni 2014 | Zweifel an Bussen für Abfallsünder – Sicht der Verhaltensökonomen»

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